Die schlimmste Hitzewelle des Jahres trocknet Bäche aus und bringt Tausende Fische in Lebensgefahr. Fischereivereine und das kantonale Fischereiinspektorat kämpfen mit einem beispiellosen Rettungseinsatz – doch die Zeit läuft ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 16’000 Fische wurden bisher aus austrocknenden Bächen im Kanton Bern gerettet
- Die Rettungsaktionen erstreckten sich über 27 Kilometer Gewässer
- Noch nie war die Situation bereits Ende Juni so dramatisch wie dieses Jahr
- Ab 25 Grad Wassertemperatur ist es für Forellen und Äschen lebensbedrohlich
- Der Kanton Bern ruft die Bevölkerung auf, Erholungszonen der Fische zu meiden
Historische Krise in Berner Bächen
Was derzeit in den Bächen und Flüssen des Kantons Bern passiert, hat es in dieser Form noch nie so früh im Jahr gegeben. Noch nie war die Situation für die Fische Ende Juni so schlimm wie aktuell.
Rund 16’000 Fische wurden bisher aus austrocknenden Gewässern gerettet. Das Fischereiinspektorat barg die Tiere zusammen mit Fischereivereinen und Pächtern auf einer Gesamtlänge von 27 Kilometern in Bächen – die geretteten Fische wurden anschliessend in geeigneten Abschnitten desselben Gewässereinzugsgebiets wieder ausgesetzt.
Auch andere Kantone sind betroffen: In Appenzell Ausserrhoden führten die Behörden ebenfalls Notabfischungen durch.
Warum Hitze für Fische tödlich ist
Viele Menschen unterschätzen, wie empfindlich Fische auf steigende Wassertemperaturen reagieren. Bereits 20 Grad Wassertemperatur bedeutet für kälteliebende Arten wie Forellen und Äschen Stress. Ab 23 Grad wird es kritisch – über 25 Grad lebensbedrohlich.
In den letzten 40 Jahren hat die mittlere Wassertemperatur in Schweizer Gewässern bereits um zwei Grad zugenommen – eine Zunahme von rund 0,5 Grad pro Jahrzehnt.
Die Aare in Bern-Schönau erreichte am Samstag eine Temperatur von 24,1 Grad – damit wurde der Allzeit-Rekord von August 2022 eingestellt. Für die Fische bedeutet das: kaum noch Rückzugsmöglichkeiten.
Ein alarmierendes Bild aus dem Fricktal
Besonders drastisch ist die Lage an der Sissle im Kanton Aargau. Wo einst ein Bach durch das Fricktal schlängelte, ist nicht viel mehr als ein Teppich aus Algen und Schlamm übriggeblieben. Tote Forellen und Groppen zeugen von den Folgen der Hitze. Der Rheinzufluss ist auf weiten Abschnitten bereits vollständig ausgetrocknet.
Auch im Gütschweiher in Luzern kam es wegen Hitze und Wassermangel zu einem Fischsterben.
Was der Kanton jetzt verlangt
Die Fische ziehen sich in die letzten kühlen Bereiche eines Gewässers zurück. Das Fischereiinspektorat des Kantons Bern bittet Badende, Böötler und Hundehaltende, diese Rückzugsorte zu meiden.
So erkennst du die Schutzzonen:
- In Bächen: tiefe Pools und ruhig fliessende Stellen
- In der Aare: Bacheinmündungen und tiefere Abschnitte
- Signalisierung: Hinweistafeln und Absperrbänder markieren sensible Bereiche
Jede Störung schreckt die Fische auf und kostet sie wertvolle Energie. Dadurch werden sie anfälliger für Krankheiten und können sterben.
Bade- und Fischereiverbote in mehreren Kantonen
Der Kanton Bern ist nicht allein. In den beiden Basel wurden auf verschiedenen Abschnitten der Flüsse Birs, Ergolz und Wiese bis auf Widerruf Bade- und Fischereiverbote erlassen. Die Schifffahrt auf dem jurassischen Abschnitt des Doubs ist seit mehreren Tagen aufgrund der geringen Wasserführung verboten.
Was bringt die Zukunft?
Die Experten sind sich einig: Das ist kein Einzelfall. Wenn die Gewässertemperaturen im Schweizer Mittelland regelmässig auf 25 Grad und mehr steigen, werden Forellen und Äschen komplett aus Rhein, Aare, Thur und Co. verschwinden. Selbst in den kühlen Gewässern der Alpen werden diese Fische immer seltener.
Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV fordert deshalb, Revitalisierungen zu beschleunigen und Flüssen und Bächen wieder mehr Raum zu geben. Ufer sollen stärker mit standortgerechten Bäumen und Sträuchern beschattet werden. Zudem brauche es tiefe Kolke, Seitenarme und Rückzugsräume, die vom Grundwasser gespeist werden.
Was du jetzt tun kannst
- Erholungszonen meiden: Absperrbänder und Hinweistafeln an Gewässern respektieren
- Hunde anleinen: Keine Hunde in Gewässernähe schicken, die Fische aufschrecken könnten
- Nicht fischen: In gesperrten Abschnitten gilt striktes Fischereiverbot
- Melden: Fischsterben oder tote Fische beim kantonalen Fischereiinspektorat melden
Fazit: Eine Krise, die uns alle betrifft
Was in den Berner Bächen passiert, ist mehr als eine Naturkatastrophe – es ist ein Weckruf. Die Hitzewelle 2026 zeigt, wie verletzlich unsere Gewässer und ihre Lebewesen sind. 16’000 gerettete Fische klingen nach einem Erfolg. Doch ohne Regen, ohne Entlastung und ohne Rücksicht der Bevölkerung droht sich dieses Bild schnell zu wenden.
Wer jetzt an die Aare geht: Bitte Rücksicht nehmen. Nicht nur auf die anderen Badenden – sondern auch auf die, die keine Stimme haben.






